Künstlerin und Fachärztin Dr. Sarah Straub beeindruckt bei Presseclub-Abend
Sie ist ein Multitalent – Singer-Songwriterin, Buchautorin und Ärztin, genauer: eine Psychologin, die sich auf Demenz spezialisiert hat. Ein Problem, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Dr. Sarah Straub, die am Universitätsklinikum Ulm forscht und dort eine Spezialsprechstunde leitet, hat auf Einladung des Augsburger Presseclubs bei einer Konzert-Lesung über dieses Thema aufgeklärt – inhaltsreich und dennoch auch unterhaltsam, zumal Sarah Straub als Künstlerin auch die passenden Lieder präsentierte. Kurzum: Ein beeindruckender Abend, der mit stehendem Beifall der Gäste im vollbesetzen Saal endete.
Vor allem aufgrund eigener Erfahrung mit der Oma, dem Schwiegervater oder anderen Demenz-Patienten, zeigte Sarah Straub auf, wie unterschiedlich diese Krankheit verlaufen kann. Auch, da sowohl Betroffene wie das Umfeld verschieden damit umgehen. Viele Menschen wollen es möglichst lange verheimlichen, wenn das Gehirn nachlässt, weil Zellen absterben, wenn man plötzlich Dinge vergisst, das tägliche Leben nicht mehr wie gewohnt meistert, wenn die Orientierung verloren geht oder man womöglich mit Sprach- oder anderen Störungen kämpft. Das kann sich über Jahre hinziehen oder vergleichsweise schnell gehen. Lösung, um eine Demenz zu stoppen oder zu verlangsamen, fehlen noch weitestgehend. Das lasse sich nicht kleinreden, so die Expertin, die aus einem Dorf im Kreis Dillingen stammt: Inzwischen ist sie mit ihrem Programm „Lebensmut trotz(t) Demenz“ bundesweit unterwegs und hat häufig auch Funk- und TV-Auftritte.
Demenz ist nicht gleich Demenz. Unter diesem Oberbegriff werden verschiedene Formen dieser Erkrankung zusammengefasst. Alzheimer ist die häufigste Form, welche die bereits beschriebenen Symptome auslöst. Insgesamt gibt es mehr als 50 verschiedene Ursachen für Demenz. Es könne aber durchaus auch andere Gründe geben, wenn sich die Persönlichkeit verändert. So kann etwa ein Vitamin-B12-Mangel ähnliche Ausfall-Erscheinungen auslösen. Ebenso Hörprobleme, die nicht selten dann eine Demenzerkrankung „fördern“. Sarah Straub empfiehlt deshalb, frühzeitig zum Arzt zu gehen, um Klarheit zu schaffen. Und sie spricht sich auch für eine offenen Umgang mit der Krankheit aus. „Demenz darf kein Tabu mehr sein.“
Wer den Lebensmut nicht verliert, trotz Einschränkungen Kontakte pflegt und Begegnungen nicht aus dem Weg geht, wer sich viel bewegt und Dinge, die Spaß machen, nicht aufgibt, kann länger ein selbstbestimmtes Leben führen, nennt Sarah Straub als Beispiele. Und sie geht auch davon aus, dass eine gesündere Ernährung hilft, wenngleich hier die wissenschaftlichen Erkenntnisse noch nicht gefestigt sind. Der Wirkungsgrad von Medikamenten sei hingegen weitestgehend noch gering. Insgesamt stehe die Demenzforschung noch am Anfang, weil man dem Problem früher wenig Bedeutung beigemessen hat. Inzwischen allerdings wachse die Zahl der Betroffene schnell an, auch weil die Menschen älter werden. Offiziell gehe man bundesweit von 1,8 Millionen Menschen mit Demenz-Diagnose aus. Die Dunkelziffer, da ist sich Straub sicher, liege deutlich höher.
Außer Frage stehe, dass schon heute die Versorgungssysteme nicht mehr ausreichen. Hier sei vor allem die Politik gefordert, deren aktueller Weg, an der Pflege zu sparen, der falsche sei. Das Gesundheitssystem gehörte stattdessen gerade auch in diesem Bereich aufgewertet. Die Fachärztin appelliert aber auch an die Angehörigen und die Gesellschaft schlechthin, betroffene und die Pflegenden im direkten Umfeld mehr zu unterstützen. Jeder Besuch eines Patienten entlaste enge Verwandte, die durchaus diese Hilfe auch einfordern sollten.
Ein spezielles Problem, dem sich Sarah Straub persönlich angenommen hat, ist es, wenn Menschen vor dem 65. Lebensjahr an Demenz erkranken, wenn sie verhaltens-auffällig werden oder Sprachstörungen entwickeln. Sie fallen nicht nur aus der Mitte der Gesellschaft, sondern auch durch das Raster gängiger Demenz-Vorsorgestrukturen. Um hier die Förderung voranzubringen, die Öffentlichkeitsarbeit zu stärken und betroffene Familien in Notlagen zu unterstützen hat Sarah Straub die DGFTG gegründet, was für den komplizierten, aber passenden Begriff „Deutsche Gesellschaft für Frontotemporale Degeneration“ steht.
Unter www.dgftd.de findet man mehr Infos dazu. Dort gibt es auch einen Button, um zu spenden. Der Presseclub Augsburg ist mit gutem Beispiel vorangegangen und hat die am Abend gesammelten Spendensumme nochmal deutlich aufgestockt, um sowohl die DGFTG wie auch die Alzheimer Gesellschaft Augsburg (siehe auch: www.alzheimer-augsburg.de) mit je 500 Euro zu unterstützen.
Wolfgang Bublies
Fotos: Robert Linsenmeyer













