Des Kulturreferenten Baustellen

Talkrunde mit Jürgen Enninger im H2-Zentrum für Gegenwartskunst über das Textilviertel, das römische Augsburg, das Theaterquartier und das Gaswerksgelände

Zu wenig bekannt, kaum Fortschritt, zu wenig los: Verschiedene Klagen sind zu hören, wenn es um zentrale Projekte der Kulturstadt Augsburg geht. In einem Podiumsgespräch des Augsburger Presseclubs klärte Kulturreferent Jürgen Enninger, unterstützt von Fachleuten der einzelnen Projekte, im Gespräch mit Jürgen Kannler (Herausgeber Magazin a3 Kultur) den aktuellen Sachstand. Ort des Geschehens war das Foyer des H2-Zentrums für Gegenwartskunst im Glaspalast, einem der großen Kulturräume im Textilviertel.

Überraschend für manche der zahlreich erschienenen Besucher diese Information: Mit über 300.000 werden laut Kannler im Textilviertel stadtweit die meisten Eintrittskarten in Sachen Kultur verkauft, mehr als in der City. Was sich dadurch erkläre, dass sich hier unter anderem das H2-Zentrum und die Galerie Noah, das Textilmuseum oder die Ausweichspielstätte des Staatstheaters im Martinipark befinden, ebenso das Staatsarchiv. Mehr Sichtbarkeit zu schaffen für diesen „Cluster“ sei dringend geboten, so Kannlers Forderung. Neben mehr öffentlicher Darstellung des Textil- als Kulturviertels durch entsprechende Beschilderung oder etwa Broschüren könne man sich auch eine Kultur-Gastronomie hier östlich der City vorstellen. Jürgen Enninger widersprach nicht und sagte außerdem zu, bei den Stadtwerken eine bessere Erreichbarkeit der Kulturstätten im Textilviertel mittels öffentlichen Nahverkehrs anzusprechen.


Zweiter Schwerpunkt des Abends war die Situation des „römischen“ Augsburgs. Das Problem: die Darstellung der römischen Geschichte in der Stadt. Seit der Schließung des Römermuseums in der Dominikanerkirche wegen Baumängeln im Jahr 2012 fehlt es an einer adäquaten Nachfolgelösung. Zwar, so Sebastian Gairhos, Leiter der Stadtarchäologie, habe man inzwischen mit dem Zentraldepot in der Kammgarnspinnerei im Textilviertel einen geeigneten Platz zur Bewahrung und späteren Aufarbeitung von Funden, die regelmäßig bei Tiefbauarbeiten ans Tageslicht gefördert würden. In Sachen Museum befinde man sich aber nach wie vor in der Warteschleife. Einen wesentlichen Impuls erwarte man sich, wie Jürgen Enninger bestätigte, von der in Aussicht stehenden bayerischen Landesausstellung im Jahr 2028, wenn das schwäbische Erbe der Römer in Bayern in Augsburg, Kempten und Straubing präsentiert werden soll („Römerland Bayern“). Bis dahin hoffe man in Augsburg auf Rückenwind für ein neues Römermuseum. Dass dieses nach derzeit gültigem Beschluss des Stadtrates in unmittelbarer Nähe des bisherigen Standortes Dominikanerkirche/Predigerberg verwirklicht werden solle, betrachte er, so Enninger, als Arbeitsauftrag für sein Referat.


Drittes Thema des Abends: das Staatstheater am Kennedyplatz und das umgebende Theaterquartier. Johannes Heiß aus dem Kulturreferat berichtete von auf Hochtouren laufenden Bauarbeiten am Theatergebäude, wo bis zu 200 Arbeiter täglich beschäftigt seien. Über den Stand der Dinge hier und um das Gebäude herum könne sich die Bevölkerung insbesondere beim Theaterviertelfest am 25. und 26. Mai 2024 informieren, wo es zudem ein buntes Programm geben soll. Referent Enninger bestätigte, den Fertigstellungstermin für das große Haus im Jahr 2030 einhalten zu können, sodass dann wieder dort gespielt, gesungen, getanzt werden könne. Was die ebenfalls sanierungsbedürftige Freilichtbühne anbelange, könne er zumindest in Sachen Elektroanlage und Bühnenboden Vollzug melden, so Enninger. Etwas anders sei dies bei der Nutzung der Interimsspielstätten des Staatstheaters im Martinipark und auf dem Gaswerkareal, wo es zwar Ideen, aber noch keine Festlegungen gebe.


Was zum vierten Schwerpunktthema des Abends führte, der Situation im Gaswerkareal im Stadtteil Oberhausen, das die Interimsspielstätte Brechtbühne beherbergt. Hier stellte der künftige Geschäftsführer Stefan Schleifer die Situation auf dem rund 70.000 Quadratmeter großen, denkmalgeschützten ehemaligen Produktionsgelände dar, welches sich im Eigentun der Augsburger Stadtwerke befindet. Nach wie vor laufe die Entwicklung des Geländes. Zu langsam? Jürgen Enninger plädierte für Geduld. „Es muss etwas wachsen können.“ Ein nahezu komplett unter Denkmalschutz stehendes Gelände zu entwickeln sei eine anspruchsvolle Aufgabe. Annähernd Vollauslastung könne man melden bei der Belegung von Ateliers, Werkstätten, Band-Übungsräumen – „ein kleines Wunder“, so Enninger. Dass auf dem Gelände am Abend Ruhe einkehre, liege in der derzeitigen Nutzerstruktur. Möglicherweise ändere sich daran etwas, wenn dort demnächst eine weitere Gastronomie eröffnet werde und das Gelände sich weiter Richtung der Stadtteile öffne.
Michael Siegel


Fotos: Michael Siegel