Den Stolz aufs Welterben wecken


Barbara Bühler-Karpati leitet das Augsburger UNESCO-Büro

Augsburg ist Welterbe-Stadt, aber wissen die Augsburger das überhaupt? Und schätzen sie diese Auszeichnung für ihr über 800 Jahre nachweisbares Wassermanagement-System? Barbara Bühler-Karpati gibt sich zuversichtlich. Seit nunmehr fast eineinhalb Jahren leitet sie das Augsburger UNESCO-Welterbebüro mit seinem zwölfköpfigen Team. Nun stattete sie dem Augsburger Presseclub einen Besuch im Georgenkeller zum Clubgespräch mit Presseclub-Vorstandsmitglied Marion Buk-Kluger ab.

Dabei zeigt sich, dass das Augsburger Wassermanagement-System eigentlich (noch) gar nicht abgeschlossen ist, selbst wenn Trinkwasser-Leitung und Kanalisation längst Stand der Technik sind. Aber, so freute sich die 47-jährige studierte Architektin und Mutter zweier Kinder mit Augsburger Wurzeln: Da gibt es die Olympia-Kanustrecke im Eiskanal, deren ständige Wasserversorgung seit geraumer Zeit Probleme bereitet. Freilich beobachte sie die Vorgänge um den Eiskanal genauestens, so Bühler-Karpati, und stehe im Austausch mit dem zuständigen UNESCO-Büro. Immerhin gehört die Kanu-Rennstrecke zu den 22 Einzelmonumenten des Augsburger Wassermanagement-Systems, die zu bewahren, zu schützen, gegebenenfalls weiterzuentwickeln Aufgabe ihres Büros mit 12 Mitarbeitern und einem Jahresetat von rund 200.000 Euro sei. Bühler-Karpati nannte zwei weitere Maßnahmen, wo sie in gewisser Weise als UNESCO-Managerin miteinbezogen sei. So soll jetzt am Hochablass eine Fischtreppe gebaut werden, damit wandernde Fische das meterhohe Wehr in Zukunft wieder überwinden und die Tiere in den Oberlauf des Flusses schwimmen können. Derartige bauliche Veränderungen würden mit der UNESCO soweit möglich abgestimmt. Ähnlich der Fall bei einem privaten Kraftwerk an der Wertach, welches zu den Welterbe-Monumenten zählt. Hier habe der Betreiber aufgrund veränderter Wasser-Durchflussmengen der Wertach eine andere Turbine einbauen wollen. Ein Vorhaben, dessen Berechtigung unstrittig sei. Es sei gelungen, den Kraftwerksbetreiber dazu zu bewegen, die ausgetauschte „historische“ Turbine an seinem Kraftwerk auszustellen, anstatt sie zu beseitigen.

In erster Linie, so Bühler-Karpati, sei es Aufgabe ihres Teams, die Welterbestätte zu bewahren. Für die touristische Verwertung seien andere zuständig, beispielsweise die Regio Tourismus. Umso wichtiger sei es, so Bühler-Karpati, ein Netzwerk aus allen Beteiligten zu erstellen und zu pflegen. Solch einem Netzwerk gelte derzeit ihr Augenmerk. Entspannt blickt die Managerin der aktuellen Entwicklung in der Augsburger Stadtpolitik nach der Kommunalwahl vom März 2026 entgegen. Dort wurden jetzt von der neuen Stadtregierung unter SPD-Bürgermeister Florian Freund neue Zuschnitte getroffen, auch bezüglich des Welterbe-Themas. Nicht mehr Kultur und Sport, wie unter der Vorgänger-Stadtregierung mit Referent Jürgen Enninger, lautet das Referat jetzt, sondern Bildung und Kultur (mit Referentin Tatjana Dörfler). Sie freue sich auf all die Gemeinsamkeiten, auf die man in diesem Referat künftig mit den Schulen und den Bildungsträgern treffe. Um den Preis, dass der Eiskanal ins Sozial- und Sportreferat etwas weiter weg wandert. Wichtiger sei ihr, so die Welterbe-Managerin, direkt mit der Referatsleitung in Verbindung zu stehen, anstatt möglicherweise zunächst mit einer Amtsleitung.

In Sachen Wahrnehmung stehe man seit Anbeginn vor einem gewissen Problem, so Bühler-Karpati. Einem Problem, das jene Weltkulturerbe-Stätten nicht kennen, die eine komplette Burganlage, eine Kathedrale, ein überschaubares Altstadtensemble vorzuzeigen haben. Im Falle Augsburgs ging es von Anfang an auch um die „Geschichte“ des Wassermanagement-Systems. Wie und warum welches Wasser von woher nach wohin geleitet worden war, um was damit zu bezwecken. Von daher die Vielzahl an Gräben, Kanälen, Brunnen, Hebe- und Kraftwerken bis hin zur Kanustrecke.

Wir suchen jene drei einfachen Sätze, die jeder Augsburger kennt, um Gästen aus nah und fern das doch eher komplexe Welterbe-Thema zu erklären, so die Managerin. Noch sei hier niemand eine ideale Lösung eingefallen. Denn: Es wäre schön, wenn alle Augsburgerinnen und Augsburger noch deutlich mehr als bisher einen Stolz dafür entwickelten, in einer Welterbe-Stadt zu leben. Und für alle zum zehnjährigen Jubiläum der Welterbe-Ernennung feststehe: Wasser ist die DNA der Stadt Augsburg.

Michael Siegel

Barbara Bühler-Karpati (rechts) im Clubgespräch mit Marion Buk-Kluger. Fotos: M. Siegel