Florian Freund, ab Mai neuer Augsburger OB, zu Gast beim Clubabend des Augsburger Presseclubs
Mit wichtigen Leuten anderer demokratischer Parteien, mit seinem SPD-Führungsteam, mit dem Chef der Stadtwerke, mit Vorgängern im Amt des OB, immer wieder mit Pressevertretern – und schon kurze Zeit nach seiner Wahl im Augsburger Presseclub: Florian Freund, künftig Augsburgs Oberbürgermeister, führt dieser Tage nahezu pausenlos Gespräche. Und er gab beim PC-Clubabend im Georgenkeller im Austausch mit dem Presseclub-Vorsitzenden Wolfgang Bublies Einblicke in seinen Tagesablauf, seine Pläne und Vorhaben – und ein bisschen auch in sein Gefühlsleben.
Der 47-jährige Jurist, gebürtig aus Würzburg, verheirateter Vater dreier Mädchen, Parteimitglied seit Jugendjahren, verriet zum Beispiel über die Stichwahl zwischen ihm und der amtierenden OB Eva Weber (CSU), dass er sich 52:48 Prozent als Wahlausgang hätte vorstellen können – in jede Richtung. Als die Uhr am entscheidenden Wahlsonntag Richtung 18 Uhr ging, habe er mit seiner Frau Marei überlegt, wann man in die Wahlzentrale im Moritz-Pfarrsaal aufzubrechen solle. Seine Eltern und sein Bruder waren zuhause in Göggingen zu Besuch – auch, um die Kinder zu hüten.
Dann kam die erste Hochrechnung: Zwei Balken waren auf der Seite der Stadt zu sehen, ein kürzerer schwarzer und ein ordentlich längerer roter – seine Stimmen? Tatsächlich! Zwar habe er noch Zweifel gehegt, es seien ja erstmal nur die kleinen, weniger entscheidenden Wahlbezirke ausgezählt worden. Aber das klare Wahlergebnis zu seinen Gunsten hat sich bei 56,5 zu 43,5 Prozent eingepegelt.
Seitdem steht Freund unter Dauerstress. Hatte der Volkswirt doch zunächst keinen Urlaub bei seinem Arbeitgeber, der Regierung von Schwaben, eingereicht und dort noch Arbeiten zu erledigen. Inzwischen, so Freund, habe er zwar Urlaub, eile aber dennoch von Besprechung zu Besprechung. Denn da sind ja jene drei Probleme, deren Lösung er im Falle einer Wahl schnellstmöglich versprochen hat: Die Wiederaufnahme des Fünf-Minuten-Takts zu den ÖPNV- Hauptverkehrszeiten, eine schöne Fugger-Promenade und ein Sanierungsprogramm für Schultoiletten. In Sachen Fünf-Minuten-Takt habe es bereits erste Gespräche mit Stadtwerkechef Rainer Nauerz gegeben, so Freund. Dieser Takt sei von der Stadt bestellt, ihm, Freund, sei es wichtig, dass das Verkehrsunternehmen baldmöglichst wieder zu der einstigen Praxis zurückkehre.
Einer breiten Unterstützung ist sich der künftige Rathauschef bei den Schultoiletten sicher. Er könne sich nicht vorstellen, dass hier überhaupt jemand dagegen ist. Er wolle keine Großbaustellen, so Freund – außer dort, wo sie ehedem anstünden. Aber er wolle ein praxisgerechtes Vorgehen, um Toiletten zu schaffen, vor denen sich niemand mehr ekeln müsse. Es dürfe nicht sein, dass Schulkinder in der Pause nichts trinken, weil sie Angst haben vor dem Toilettengang.
Beim Fuggerboulevard, einem rund 200 Meter langen Straßenstück zwischen Königsplatz und Staatstheater, bezog sich Freund auf seit langem in der Schublade liegende Planungen. Er sei überzeugt, hier in relativ kurzer Zeit etwas Schönes schaffen zu können, was bei der Bevölkerung positiv ankommt und so die Erwartung auf mehr steigert – etwa bei der Gestaltung der Maximilian- oder der Bahnhofstraße.
Stets verbindlich, aber deutlich zurückhaltender war Freund bei seinen Aussagen in Richtung Rathauspolitik. Wer denn zweiter und dritter Bürgermeister werden sollte? Welche der amtierenden Referenten ihre Jobs behalten dürften und wer für die anderen Posten in Frage käme? Freund verwies auf die laufenden Gespräche und den Stadtrat – mit der Ausnahme, dass er die Wirtschaftspolitik zur Chefsache zu machen. Und dass er sich vorstellen könne, ein Stadtplanungsreferat neu zu schaffen. Die Personaldiskussion im Presseclub spiegelte sich zwei Tage später auch in einem großen Beitrag der AZ.
Diskutiert wurde beim Pressclub-Abend auch, wie denn eine künftige Mehrheitskoalition im Stadtrat aussehen könne? Auch hier laufen Gespräche. Einmal mehr machte der künftige OB deutlich, sich vorstellen zu können, künftig an der Sache orientierte wechselnde Stadtratsmehrheiten finden zu können.
Zu einer ganzen Zahl weiterer Themen aus der Stadtpolitik, die Moderator Wolfgang Bublies ansprach, bezog Freund Stellung, ohne allzu konkret werden zu können. So beim Staatstheater, das seit Jahren umgebaut wird und nach anfangs genannten Kosten von 180 Millionen Euro inzwischen bei 417 Millionen angelangt ist. Freund verwies auf die laufende Kosten-Neuberechnung, die im Sommer vorliegen soll – und: Er hoffe, dass dort keine Bombe verborgen liege.
Beispielsweise mit Blick auf das baufällige Parkhaus am Kongress am Park verwies Freund auf die Bauleitplanung. In Sachen Römisches Museum, welches in Augsburg mit Hilfe des Freistaates anstelle des alten Gefängnisses im Domviertel gebaut werden soll, hoffe er, baldmöglichst einen Termin bei Ministerpräsident Söder zu bekommen. Hingegen habe er bereits eine Einladung der Augsburger Riegel-Brauerei bekommen, um dort das Anzapfen von Bierfässern zu üben. Das hat aber auch noch Zeit, weil beim Osterplärrer-Fassanstich ist er noch nicht im Amt des OB. Das übernimmt Florian Freund bekanntlich Anfang Mai. Michael Siegel















Fotos: Klaus-Rainer Krieger





