Krimi-Autor mit Kunstverstand

Augsburgs Museumschef Christof Trepesch liest aus seinem kommenden vierten Roman

Die etwas schrullige Miss Marple hat sich das Aufklären von Verbrechen zur Passion gemacht, der urbayerische Fernsehpfarrer Pater Braun – und seit ein paar Jahren auch der Saarbrücker Kunsthistoriker Dr. Peter Schramm in Augsburg. Schramm entstammt der Feder eines gewissen Toni Ludwig, über den es in Augsburg anfangs ein gewisses Rätselraten gab. Nachdem sich die Anzeichen zu sehr verdichteten auf einen ganz bestimmten Autoren, gab sich dieser zu erkennen. Hinter Ermittler Dr. Peter Schramm und dem Autoren-Pseudonym Autor Toni Ludwig steckt niemand anderes als der langjährige Leiter der städtischen Augsburger Museen, Christof Trepesch. Als selbiger vor allem durch seine Texte, Schriften, Arbeiten zur Kunstgeschichte bekannt, hat er sich zusätzlich in seiner Freizeit aufgemacht, die Augsburger Krimiwelt zu erobern. Kurz vor dem geplanten Erscheinen seines mittlerweile vierten Romans konnten die Besucher im Georgenkeller des Augsburger Presseclubs erste noch unveröffentlichte Teile des neuen Werkes kennenlernen, das den Titel „Ulrichsgold“ trägt.

Wie schon in den drei Vorgänger-Romanen „Die Silberkammer“, „Der Wintertausch“ und „Der Collagenklau“ kommt erneut eine Person ums Leben. Diesmal, so Trepesch, ein Herr, den man aus dem zweiten Ludwig-Krimi bereits kennt. Schon die Auszüge, die Trepesch präsentierte, zeigen erneut eine Besonderheit seines Schreibens: ungewöhnliche Detailgenauigkeit in der Beschreibung einzelner Gegenstände, Räume, Situationen. Ein „Leiden“, welches der Wissenschaftler aus seiner ursprünglichen Tätigkeit mitgebracht habe – und worin ihn seine Lektorin immer wieder bremsen müsse. Das naheliegendste Spezialgebiet von Trepeschs Kriminalliteratur: die Exkurse in die Kunstgeschichte. Immer wieder werden Bezüge hergestellt zu „echten“ Werken – im konkreten Fall beispielsweise zu den kunst- und wertvollen Ulrichskreuzen, die Pilger aus der bekannten Augsburger Wallfahrtskirche mit sich nahmen. Oder Bezüge zur kunstgeschichtlichen Idee der „wehrhaften Kiste“, einem Behälter, der nach dem Öffnen durch falsche Personen Schüsse auf diese abgibt. Beschreibungen solcher Kisten gebe es, so Trepesch. In seinem Roman komme auch solch ein Kästchen vor, gleichwohl sei noch keines aus alter Zeit gefunden worden.

Trepesch stellte nicht in Abrede, dass hinter Peter Schramm und Toni Ludwig viel Christof Trepesch steckt. Allerdings: Für ihn, den Wissenschaftler, bedeute diese Form von literarischem Schreiben eine deutliche Umstellung gegenüber seinem Alltagsgeschäft. Das, zumal Trepesch/Ludwig an seinen Texten, egal ob wissenschaftlichen oder literarischen, fast ausschließlich zu Hause am Schreibtisch arbeite. Im Büro, so der Museumschef, bleibe angesichts vielfältiger anderer Aufgaben schlicht und einfach keine Zeit. Nicht für Peter Schramm, auch nicht für Trepeschs wissenschaftliches Schreiben. Weil das literarische Schaffen ein reines Hobby ist, so Trepesch, könnten manchmal Wochen zwischen Phasen des Schreibens an seinen Kriminalromanen liegen. Dann greife er zu seinem Manuskript, suche nach einer passenden Stelle und arbeite daran weiter. Zumeist tippe er seine Sätze gleich ins Laptop. Mehr als eine Romanseite am Stück schaffe er kaum, so der Autor. Zwar habe er bereits zu Beginn der Arbeit an einem Roman ein gewisses Grundgerüst von der Handlung im Kopf, um den herum sich anschließend die einzelnen Episoden entwickeln.

Diese, so stellte Gesprächsleiter Alfred Schmidt fest, hätten durchaus beachtliches Niveau, böten selbst Kennern immer wieder neue Erkenntnisse. So zum Beispiel über das Saarland, Trepeschs Herkunftsort. Oder über Wein, einer Passion des Autors. Oder eben über die verschiedenen Exkurse in Sachen Kunstgeschichte, der beruflichen Heimat Trepeschs. Eine Besonderheit in Trepeschs literarischem Schaffen: Nicht wenige seiner Romanfiguren haben eine Entsprechung im „richtigen Leben“. Gute Kenner der Augsburger Gesellschaft meinten teils nicht grundlos, zu der einen oder anderen Romanfigur ein Pendant aus dem Stadtleben zu erkennen. Und, so Trepesch: In einigen Fällen hätten sich die „echten Vorlagen“ seiner Romanfiguren sogar selbst zu erkennen geglaubt.

Immer wieder, so Trepesch, stelle er beruflich fest, dass Wissenschaftler keine Texte für (Publikums)Zeitungen schreiben könnten – und dass sie analog auch kaum literarische Texte für den breiten Publikumsgeschmack, also auch Kriminalromane, schreiben könnten. Er selbst mache da keine Ausnahme, sei seiner Lektorin Katharina Maier und deren Geduld zu großem Dank verpflichtet. Was Trepesch/Ludwig – und Maier – sich neuerdings ausgedacht haben, demnächst wird es zu lesen sein. Dann erscheint der Roman „Ulrichsgold“ im Wißner-Verlag.

Michael Siegel

Gesprächsleiter Alfred Schmidt (links) und Christof Trepesch auf dem Sofa im Georgenkeller des Augsburger Presseclubs.
Weil das Buch noch nicht vorlag, las Christof Trepesch alias Toni Ludwig aus dem Manuskript von „Ulrichsgold“.