Führung für Augsburger Medienschaffende durch die Ausstellung „Kunstschätze der Zaren“ im Schaezlerpalais

Russlands Herrscher empfangen Augsburg

18. 02. 2020

Zuerst sind da zahlreiche Kunstwerke erster Güte, die im Winter niemand zu sehen bekommt, weil die Schlösser bei St. Petersburg dann geschlossen sind. Dann ist da das Angebot eines russisch-deutschen Kulturprogramms, eben diese Kunstwerke aus der Petersberger Sommerresidenz der russischen Zaren für eine Ausstellung zu entleihen. Schließlich ist die Reihe an den Augsburger Kunstsammlungen, eben diese Ausstellung zu veranstalten. „Machen wir“, so Christof Trepesch, Leiter der Sammlungen, als den Augsburgern zudem personelle und finanzielle Hilfe für die Schau zugesagt wurde. „Kunstschätze der Zaren“ heißt die Ausstellung im Schaezlerpalais, die noch bis März rund 100 Exponate aus dem Russland des 18. Jahrhunderts zeigt. Exponate, von denen manche noch aus Augsburg stammen oder deren Ursprung zumindest in der Fuggerstadt liegt.

Museumschef Trepesch begrüßte jetzt eine Gruppe des Augsburger Presseclubs im Schaezlerpalais und berichtete zunächst über die Genese der Schau, die in ganz kurzer Zeit zustande gekommen war. Trepesch hob hervor, dass bei der Auswahl der 100 von ursprünglich 600 Exponaten darauf geachtet wurde, möglichst auch Bezüge nach Augsburg aufzuzeigen. Praktisch alle Stücke seien das erste Mal außerhalb von St. Petersburg und vor allem im Ausland zu sehen. Alle Exponate hatten die Zeit des Zweiten Weltkrieges, dessen Frontlinie genau Petersberg erreichte, in Verstecken überstanden. Wie weit die Bezüge zwischen Augsburg und Russland darüber hinaus reichen, möge laut Trepesch der Umstand zeigen, dass unerwartet viele russischstämmige Augsburger und Schwaben zu der Ausstellung kämen. Man habe eigens mehr Museumsführer für die russische Sprache engagiert, um der Nachfrage gerecht werden zu können. Schließlich blieb Trepesch die Andeutung vorbehalten, dass die Ausstellung höchstwahrscheinlich zwei Wochen länger als bis zum genannten Termin 15. März gezeigt werden könnte. Anschließend übernahm Ernst Weidl die Gruppe, die er durch die Schau im zweiten Stock des Gebäudes – ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert – führte. Einleitend umriss Weidl die Situation im Russland des beginnenden 18. Jahrhunderts, als Zar Peter der Große sich aufmachte, am Newa-Ufer 1703 die nach ihm benannte Stadt St. Petersburg zu gründen und später zur Hauptstadt seines Reiches zu ernennen. Es sei dies eine Epoche gewesen, in der das noch ländliche Russland nach Europa schaute und da vor allem auf die Schlösser von Versailles, die vielerorts als Vorbilder für eigene Bauten dienten. So auch für Peters Sommerpalast, das Schloss Petersberg, rund 30 Kilometer außerhalb St. Petersburgs. Es sei dies auch die Epoche gewesen, wo erstmals im russischen Reich Kunstsammlungen gegründet worden waren. Der erste Blick der russischen Zaren galt bei Kunstwerken dem europäischen Ausland. Ganz gleich aber, ob es sich um Gemälde handelte, um Porzellan, Teppichkunst, Silber- oder Holzarbeiten, immer wieder finde man ähnliche Mechanismen: Zunächst werde ein Kunstwerk aus einer europäischen Meisterwerkstätte importiert, dann werde es in russischen Werkstätten imitiert und schließlich vor Ort selbst produziert. Auf entsprechende Beispiele wies Weidl in der Schau an verschiedenen Stellen hin.

Prinzipiell sind die Kunstschätze der Zaren chronologisch geordnet und erstrecken sich von Exponaten aus dem Umfeld von Zar Peter dem Großen über Elisabeth Iwanowna und Peter III. bis hin zu der aus Deutschland stammenden Zarin Katharina (II.). Gezeigt werden in erster Linie (Öl)Bilder, beispielsweise Portaits der Herrscherinnen und Herrscher, die von ihren Hofmalern oder anderen Künstlern angefertigt worden waren. Ölgemälde zeigen auch Erfolge in Schlachten oder im Falle von Zar Peter dessen Anstrengungen um den Aufbau einer eigenen Ostsee-Marine. Zu sehen sind zudem Kleidungsstücke. Sei es das Gala-Kostüm des Zaren Peter der Große, seien es Schuhe von Kaiserin Katharina. Mehrfach zu sehen: Tischkultur der damaligen Zeit, Terrinen, Geschirr und Besteck etwa, darunter eines des Augsburger Künstlers Abraham Warnberger. Ein immer wiederkehrender Kunstgegenstand der damaligen Zeit ist ein kleines Kästchen, kunstvoll gestaltet aus Holz, Metall oder Stein, in dem etwa Schmuck aufbewahrt wurde. Auch hier die bekannte Vorgehensweise, gleichsam in Schritten in einer Vitrine nachzuvollziehen: Zunächst aus Europa eingekauft wurden die Gegenstände in heimischen Werkstätten nachgeahmt und schließlich selbst produziert. Nicht fehlen dürfen in jener Zeit Silbermodelle, etwa jenes des Segelboots von Zar Peter. Und Skulpturen etwa aus Porzellan, die die damalige Mode asiatischen Designs in den Palästen zeigten.

Erwähnt wurden bei der Betrachtung von Zarin Katharina freilich auch ihre Liebesbeziehungen. Passend zu diesem Thema die den Abend abschließenden Gedichte pikanter Poesie, die Kulturjournalistin Sybille Schiller im Schaezlerpalais vortrug.


Michael Siegel

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