Halle 116 der ehemaligen Sheridan-Kaserne

Alte Schätze, neue Idee

18. 07. 2019

In (der ehemaligen Sheridan-Kaserne in) Augsburg ist 20 Jahre nach dem Abzug des US-Militärs das Projekt „Amerika-Haus“ auf den Weg gebracht.

50 Jahre lang bis zum großen Zapfenstreich im Jahr 1998 lebten und arbeiteten bis zu 30.000 US-Amerikaner, Militärbedienstete und ihre Angehörigen, in Augsburg. Die Stadt beherbergte damit eine der größten amerikanischen Communities in Deutschland. Fast jeder Augsburger über 35 hat persönliche Erinnerungen an diese Zeit, als aus Besatzern Mitbürger wurden: ihre charakteristischen Autos, ihre Clubs und Treffs in der Stadt, ihren PX-Supermarkt in der Ackermannstraße, das deutsch-amerikanische Volksfest... Und heute? Ja, da gibt es den Kennedyplatz beim Theater, den Dayton-Ring und den Sheridan-Park, aber sonst? Sonst ist da nicht mehr viel in der Stadtgesellschaft, was an die Zeit der Amerikaner in Augsburg erinnert. Nicht alle Augsburger wollen das so hinnehmen. Sie wollen das ändern, dem Vergessen entgegenwirken.

Sie, das sind die Vereine „Amerika in Augsburg“ (AiA e.V.) und „American Car Friends Augsburg“ (ACFA e.V.) die seit geraumer Zeit Nachbarn und Partner in einer besonderen Immobilie in Augsburg sind.?In der Halle 116 der ehemaligen Sheridan-Kaserne (Karl-Nolan-Straße 2 ganz im Süden des Stadtteils Pfersee) wollen die Vereine sowohl ein Archiv zur Militärpräsenz als auch einen Ort der Artefakte des täglichen Lebens in und um die Military Community in Augsburg einrichten. Arbeitstitel: Amerika-Haus. Einzelne Gegenstände als auch komplette Sammlungen sind vorhanden und lagern bereits in einigen Hallen des Gebäudes. Jetzt präsentierten Georg Feuerer, stellvertretender Vorsitzender von Amerika in Augsburg (AiA) und Harm Ritter, Vorsitzender der American Car-Friends Augsburg (ACFA) ihr Projekt einer Besuchergruppe des Augsburger Presseclubs. Edgar Mathe, ehemaliger Chef der Augsburger Wohnungsbaugesellschaft (WBG) und selbst großer Freund des amerikanischen Lebensstils, sagte es den Medienschaffenden gerade heraus: „Wir brauchen Sie, wir brauchen Ihre Unterstützung“. Denn noch ist das Vorhaben der beiden Vereine und ihrer Unterstützer noch nicht in trockenen Tüchern. Ja, es gebe das vom Stadtrat abgesegnete Konzept von Professor Philipp Gassert für die Halle 116. Dass in jenem Gebäude, 1937 noch vor dem Zweiten Weltkrieg errichtet, dann ein Augsburger KZ- Außenlager, danach ein Teil der US-amerikanischen Sheridan-Kaserne eben diese besondere geschichtliche Konstellation widergespiegelt werden solle. Aber besonders eilig scheint es bei der Umsetzung nicht zu sein. Zwar, so Edgar Mathe, sei inzwischen das Eigentum an der Halle von der städtischen „Enkeltochter“ AGS, einer Gesellschaft zur Stadtentwicklung, an die Stadt übergegangen, aber die politische Durchdringung für ein Amerika-Haus sei noch „deutlich verbesserungsfähig“, wie Gespräche mit den im Stadtrat vertretenen Parteien zeigen. Weit mehr als das Amerika- Thema „Museum under Construction“ würde von vielen Bürgern im Zusammenhang mit der Halle 116 das Thema Nazi-KZ-Außenlager verbunden. Dabei, so Feuerer, Ritter und Mathe, hätten ihre Vereine bei der vergangenen Augsburger Frühjahrsausstellung gezeigt, was sie können und was sie herzuzeigen haben. Mit ausschließlich positiver Resonanz habe man in einer der Messehallen auf 700 Quadratmetern quasi aus dem Nichts in kürzester Zeit eine viel beachtete Präsentation zur Zeit der Amerikaner in Augsburg und der Region erstellt. So manches Ausstellungsstück warte jetzt auf seinen Auftritt - in einer Schau in der Halle 116? Die Vereine „Amerika in Augsburg“ für den wissenschaftlich historisch-dokumentarischen Bereich als „intellektueller“ Partner und die Autofreunde mit ihrem Fokus auf Lebensgefühl, Bauch und Herz ergänzten sich bestens. Dass sie mit ihrem Vorhaben richtig liegen, bestätigte den Vereinen der Besuch von rund 100 ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Field Station Augsburg, die im vergangenen Herbst zum Besuch der Stadt und des Volksfestes Plärrer gekommen waren. Viel Lob habe es für die Bemühungen der Vereine gegeben und die Sammlung der Erinnerungsstücke, die weithin einzigartig sei – und es sei manche Träne der Rührung über vergangene Zeiten geflossen.

Nach einer Powerpoint-Präsentation in einem ihrer Hallenabschnitte konnten die künftigen Ausstellungsstücke inspiziert werden. Den meisten Raum nehmen naturgemäß ein mächtiger Militärlastwagen (AM General, hier im Dienst zwischen 1984 und 1989) sowie ein sogenannter Humvee- Geländewagen (im Dienst zwischen 1985 und 1998) ein. Zahlreiche Artefakte von der im Boden des Geländes gefundenen Cola-Flasche von 1945 über diverse Schilder, Tafeln, Banner, Fotos oder Abzeichen bis hin zu Lebensmittelverpackungen waren da zu sehen. Ein deftiges Barbecue durfte bei dem schönen Sommerwetter auf dem Vorplatz der Halle nicht fehlen. Und dann gab es noch einen Höhepunkt des Abends: eine gemeinsame Ausfahrt der Beteiligten mit einem halben Dutzend (privater) original amerikanischer Straßenkreuzer. Wer wollte nicht immer schon einmal wie ein Filmstar oder ein Mafiaboss durch Häuserschluchten cruisen – und wenn es (nur) jene von Augsburg sind?

Michael Siegel

Wie gesagt ist das Vorhaben „Amerika-Haus“ der beiden Vereine ein „Museum under Construction“. Wann es mit offiziellen Besichtigungsmöglichkeiten so weit ist, ist noch nicht absehbar. Aber wer sich an einen der Vereinszuständigen wendet – am besten über die Kontakte auf der Homepage – dem wird gerne weitergeholfen. Freilich sind dort auch Hilfsangebote jeder Art willkommen, schließlich dürfte ein Amerika-Haus die beiden Vereine eine Stange Geld kosten.

www.amerika-in-augsburg.de

www.acfa-augsburg.de

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