Uniklinik Augsburg

Starke Impulse

29. 09. 2015

Die Stadt, die Universität Augsburg und das Klinikum sind auf dem Weg zum sechsten bayerischen Medizin-Hochschulstandort.

Podiumsgespräch mit Uni-Präsidentin Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel und Klinikums-Vorstandsvorsitzendem Alexander Schmidtke.

„Das wird einen der stärksten Impulse seit Jahrzehnten für die Stadt geben.“ Augsburgs Uni-Präsidentin Sabine Doering-Manteuffel spricht große Worte angesichts der sich abzeichnenden Gründung einer medizinischen Fakultät an der Uni Augsburg und am Augsburger Klinikum. Gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden des Krankenhauses, Alexander Schmidtke, berichtete Doering-Manteuffel über den Stand der Dinge, die Ministerpräsident Horst Seehofer im Jahr 2009 mit seinem legendären Eintrag ins goldene Buch der Stadt Augsburg endgültig auf den Weg gebracht hatte. Die Podiumsveranstaltung im Georgenkeller des Augsburger Presseclubs wurde moderiert von Stefan Mayr (Süddeutsche Zeitung).

„Die Uniklinik kommt!!!“ hatte Seehofer im Februar 2009 bei einem Augsburg-Besuch geschrieben. Er gab damit den Startschuss für ein Projekt, für das sich universitäre Gremien und die Zuständigen am Klinikum in sechs Jahren bisher zu nicht weniger als 110 gemeinsamen Sitzungen getroffen haben. Einen wichtigen Schritt voran machte die Uniklinik Augsburg im November 2013, als vom Ministerpräsidenten die Zusage kam, dass Grund und Geld für den Aufbau der medizinischen Fakultät vorhanden seien. Inzwischen steht das Augsburger Konzept, das mittlerweile zur Prüfung an den Wissenschaftsrat in Köln gegangen ist. Von hier erwartet man in Augsburg einen Entscheid im April bis Juni 2016 – und freilich sollte dieser Entscheid positiv ausfallen. Dass man sich in Augsburg große Hoffnungen auf eine neue Medizinfakultät macht, liegt daran, dass man mit der Medizin-Informatik und der Umweltmedizin zwei „Nischen-Schwerpunktstudien“ aufbauen möchte. Für beide Schwerpunkte, da waren sich die Uni-Präsidentin und der Klinikumschef einig, bestehe ein großer Bedarf, werde eine Lücke geschlossen. Freilich, so Doering-Manteuffel, müsse man mit der Konkurrenz der bestehenden fünf bayerischen Medizin-Studienorte (München, Bamberg, Erlangen, Regensburg, Würzburg) leben, wo steter Finanzbedarf und Sorge vor steigender Konkurrenz bestehen. Ein Errichtungsgesetz soll bis 2017 den bayerischen Landtag passieren – dann gebe es praktisch kein Zurück mehr. Im selben Jahr soll die Fakultät ins Leben gerufen und von der Gründungskommission der Gründungsdekan eingesetzt werden. Auch die ersten Lehrstuhl-Berufungen und Stellenbesetzung sollen dann vorgenommen werden.

Es sei gut vorstellbar, dass die neue medizinische Fakultät der Uni Augsburg ihren räumlichen Sitz am Klinikum finden wird. Medizinstudenten sollten immerhin von Anfang an auch am Patienten arbeiten können. Alexander Schmidtke beschrieb, dass das Klinikum schon heute gute räumliche Voraussetzungen für den Wissenschaftsbetrieb mit sich bringe, was offenbar in Erwartungen aus der Bauzeit begründet sei. So finde man auf jedem Stockwerk Seminarräume, die künftig vom Hochschulbetrieb genutzt werden könnten. Auch die recht breiten Gänge in den Stationen erleichterten den Aufenthalt von mehreren Personen. „Es wird am Klinikum auf jeden Fall mehr Betrieb geben“, stellte Schmidtke fest. Ein großer Teil der für die neue Fakultät erforderlichen neuen Gebäude werde wohl am Klinikum erstellt. Gut möglich, dass dies im Südwesten der bestehenden Anlage im Bereich des ebenerdigen Hubschrauberlandeplatzes stattfinden könnte. Getrieben sehen sich die Verantwortlichen von dem Anspruch, dass im Jahr 2018 die ersten Medizinstudenten in Augsburg ihre Ausbildung beginnen können.

Sabine Doering-Manteuffel geht davon aus, dass rund 80 Medizinstudenten im ersten Semester in Augsburg starten könnten und sich diese Zahl dann auf etwa 200 Studenten pro Semester steigert. Die Planungen sehen nach der Startphase im Regelbetrieb ab dem Jahr 2025 gut 1500 Medizinstudenten in Augsburg vor. Nicht ausgeschlossen übrigens, dass im Rahmen der anstehenden Baumaßnahmen auch ein Wohnheim für einen Teil der neuen Studenten gebaut wird.

Lesen sich die 1500 zusätzlichen Medizinstudenten im Vergleich zu den bereits rund 20.000 Studierenden an der Uni Augsburg noch eher bescheiden, sieht es bei der Zahl der Professoren anders aus. Diese wird erwartungsgemäß um etwa 30 Prozent steigen, wenn zu den derzeit rund 212 Professoren weitere 110 Medizinwissenschaftler hinzukommen, die an 40 neuen Lehrstühlen arbeiten werden. Mit Nachwuchsproblemen rechnen Doering-Manteuffel und Schmidke nicht. Teilweise seien mögliche Kandidaten schon da, da bereits heute viele Mediziner am Klinikum eine Habilitation vorweisen können. Zudem sei Augsburg als Stadt attraktiv. Nicht zuletzt erwartet man wegen der modernen Schwerpunktstudiengänge Medizin-Informatik und Umweltmedizin großes Interesse sowohl bei Lehrenden wie Lernenden. Die Uni-Präsidentin und der Klinikumschef stellten klar, dass diese Schwerpunkte nichts daran ändern, dass am Ende in Augsburg wie an jeder anderen Medizin-Uni Allgemeinärzte, Kardiologen, Neurologen und andere hervorgehen werden, die gegebenenfalls zusätzlich in einem der beiden Schwerpunkt-Studiengänge ausgebildet worden sind.

Wenn, wie geplant, am 1. Januar 2019 der Freistaat Bayern das Klinikum von den bisherigen Trägern Stadt und Landkreis Augsburg übernimmt, sollen die alten Schulden getilgt sein. Für neue Ausgaben soll dann das Land aufkommen. Die anstehende Generalsanierung des Klinikums, ein Projekt mit einer Zehn-Jahres-Perspektive und zig-Millionen teuer, werden, so Schmidtke, wohl nicht mehr die alten Träger allein bewerkstelligen müssen.

Schon heute mache sich das geplante Vorhaben an der Uni positiv bemerkbar, so deren Präsidentin. Man bekomme Angebote für Forschungskooperationen, es werde bereits versucht, „Achsen“ zu bilden. Ein Kooperationsvertrag mit der Firma KUKA in der Robotik sei bereits vereinbart. Doering-Manteuffel erwartet auch positive Auswirkung auf außeruniversitäre Bereiche: Der Innovationspark werde weiter lukrativ für Pharma-Unternehmen, Diagnosefirmen, medizinische Software-Anbieter. Der künftige Medizinstandort verändere Augsburg. Es kämen Hochqualifizierte, mehr Akademiker in die Stadt und die Region, die auch Wohnraum und für sie zugeschnittene Freizeitangebote brauchen.

Wenn auch das Klinikum Augsburg künftig ein Universitätskrankenhaus sein werde, so werde es doch auch weiterhin ein Krankenhaus der Maximalversorgung bleiben, beruhigte Alexander Schmidtke Befürchtungen, die Augsburger müssten sich für eine Blinddarm-Operation künftig einen anderen Platz suchen. Man bleibe ein „Grundversorger“, so Schmidtke, es könnten aber auch komplexere medizinische Aufgaben ans Klinikum kommen.

Im Einzelgespräch mit Sabine Doering-Manteuffel, die just am 1. Oktober 2015 ihre zweite Amtszeit als Uni-Präsidentin antreten konnte, spielten zwei prominente Augsburger Immobilien eine Rolle. Seit geraumer Zeit schon versuche die Uni, an einer guten Zukunftslösung für das sogenannte Gignoux-Haus in der Altstadt mitzuwirken. Dort hatte bis vor einigen Jahren das Theater Augsburg mit seiner „Komödie“ eine Spielstätte, die aus bausicherheitstechnischen Gründen aufgegeben werden musste. Seitdem sehen viele Augsburger dieses Baudenkmal in seinem Bestand gefährdet. Etwas Konkretes konnte die Uni-Präsidentin noch nicht vermelden. Auch nach einem weiteren prägenden Gebäude hat die Uni ihre Finger ausgestreckt. Es geht um das derzeitige Postgebäude an der Grottenau in unmittelbarer Nähe zum Stadttheater. Es soll von der Post verlassen werden und könnte dann für neue Verwendungen bereit stehen. Die Uni-Präsidentin könnte sich in der großen Schalterhalle einen Konzertsaal vorstellen. Auch hier müssten aber noch Gespräche geführt werden.

Ein wichtiges Thema im Gespräch mit Klinikumschef Alexander Schmidtke war die laufende Kostensanierung des Klinikums-Defizits. Schmidtke benannte ein Minus von 4,3 Millionen Euro, was im Ein-Prozent-Bereich der Gesamtausgaben liege und beherrschbar sei. Mit verschiedenen Optimierungsprozessen wolle man das Defizit abbauen. Eine Verbesserung der Situation in der chronisch überlasteten Notaufnahme des Klinikums erwarte man sich mit einer in den nächsten Monaten einzurichtenden KVB-Praxis der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns. Sie soll Akut-Patienten aufnehmen, die in der Notaufnahme eigentlich fehl am Platze sind.

Wenig Hoffnung machte Schmidtke für das sogenannte Klinikum Süd (das ehemalige Krankenhaus in Haunstetten), das in absehbarer Zeit wohl nicht mehr zur Akut-Versorgung von Patienten beitragen werde (diese werde am Klinikum konzentriert). Man arbeite aber an einer langfristig sinnvollen Nutzung für das Klinikum Süd, das für viele Bürger im Süden Augsburgs und des Landkreises emotional wichtig sei.

Michael Siegel

 

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