Wie kann die Generalsanierung des Theaters Augsburg gelingen

Die 235-Millionen-Euro-Frage

18. 03. 2015

Wie geht es weiter mit dem Stadttheater in Augsburg? Anfang 2015 informierte das Hochbauamt den Kulturreferenten über den neu ermittelten Finanzbedarf für die Generalinstandsetzung des Theaters. Es geht um nicht weniger als 235 Millionen Euro. Niemand in der Kommunal-Politik weiß, wie die Stadt diese Summe aufbringen soll.

Im Georgenkeller des Augsburger Presseclubs diskutierten jetzt Kulturreferent Thomas Weitzel als Bauherr des Projekts und Baureferent Gerd Merkle als zuständiger Dienstleister mit den Moderatoren Kurt Idrizovic (Buchhändler, Kulturnetzwerk) und Jürgen Kannler (a3 Kultur Magazin). Transparenz schaffen, das sei eines der wichtigsten Anliegen aller Beteiligten an der anstehenden Baumaßnahme. Und Transparenz schaffen, das wolle auch die Veranstaltung im Presseclub, so Kannler.

Er umriss das Hauptproblem, das in Augsburg immer wieder Sorgen bereite: Es fehle am Geld, die Stadt habe keine Rücklagen, es habe sich ein Investitionsstau gebildet. Gerd Merkle pflichtete ihm bei: Man habe massive Baurückstände, dies häufe sich derzeit. Schulen, Brücken, Römermuseum oder eben das Theater warteten auf Sanierungen.

Thomas Weitzel setzte sich mit der Frage auseinander nach der Übernahme von Verantwortung, auch dafür, was früher war. Der Blick zurück bringe nicht weiter, so der Kulturreferent. Jetzt habe man eine saubere Planung, jetzt übernehme man Verantwortung.

Gerd Merkle erläuterte die Haftungsfrage im Zusammenhang mit den im Brandschutzgutachten für das Theater bestehenden Einschränkungen. Man stehe derzeit bei Veranstaltungen im Theater, dem großen Haus, unter ständiger Aufsicht der Brandschutzbehörde. Allerorten stünden Feuerwehrleute parat, um im Fall des Falles schnell eingreifen zu können.

Bezüglich der Frage nach alternativen Standorten stimmte Merkle zu, dass es prinzipiell nichts Teureres gebe als den Einbau in bestehende Bausubstanz. Deswegen sehe der ausgewählte Planer Walter Achatz bei den Kosten einen Puffer von 25 Prozent für Unvorhergesehenes vor. Bei der anstehenden 235-Millionen-Baumaßnahme handle es sich laut Merkle eigentlich um drei Einzelposten: Rund 120 Millionen seien für die Sanierung des großen Hauses eingeplant, dabei schlage allein die Sanierung des Bühnenturms mit 36 Millionen zu Buche. Zwischen 75 und 105 Millionen würden für die Nebenanlagen erforderlich und zehn Millionen werde wohl der Mehraufwand für den Weiterbetrieb des Theaters an anderem Ort während der Umbauphase betragen.

Merkle und Weitzel bezogen auch Stellung zu Überlegungen nach einem kompletten Neubau für das Theater. Wolle man an einer zentralen Lage in der Stadt festhalten – was Konsens sei – biete sich kein geeigneter verfügbarer Platz an. Schaue man sich in vergleichbaren Städten mit ähnlichen Sanierungsaufgaben – oder mit Neubauprojekten - um, stelle man fest, dass Augsburg mit seinen geschätzten Umbaukosten im Bereich anderer Projekte liege.

Und dann die Frage nach möglichen Finanzierungsquellen für die 235 Millionen. Hier schwieg Thomas Weitzel mit Verweis auf laufende Verhandlungen, auf vertrauensvolle Gespräche bei der Staatsregierung in München. Hier schlage Augsburg seiner Einschätzung nach großes Wohlwollen entgegen, begründet auch in der Auswahl des Planungsbüros Achatz, das in München das Gärtnerplatztheater saniere und als kostenbewusst arbeitend erlebt werde.

Die Augsburger Gesamtkonzeption, so Weitzel optimistisch, werde ebenfalls positiv gesehen. Auch das Leistungsniveau des Theaters als einziges Drei-Sparten-Haus im weiten Umkreis mit vielbeachteten Inszenierungen werde anerkannt. Das Theater Augsburg liefere eine wichtige kulturelle Grundversorgung. 50 Prozent der Eintrittskarten würden laut eigenen Erhebungen von Besuchern aus dem Umland gekauft, ein ähnliches Verhältnis wie bei den Abonnenten. Dem Vernehmen nach werden sich aber die Umlandgemeinden wohl nicht finanziell an der Generalsanierung beteiligen.

Baureferent Merkle benannte die möglichen vier Säulen der Finanzierung: Nummer 1, der Landkreis und die Umlandgemeinden hätten bereits abgewunken. Die Stadt müsse mit hinein in die Finanzierung, ebenso der Freistaat. Als mögliche vierte Säule nannte der Referent das Sponsoring. Er verwies auf das Beispiel der Sanierung des Goldenen Saals im Augsburger Rathaus zum 2000. Stadtjubiläum 1985, als aus der Bürgerschaft große Beträge flossen. Es dürfe aber gefragt werden, wie groß die Identifikation der Bürgern mit ihrer Kultur heute sei. Sollte die Finanzierung keinen Umbau in einem Rutsch ermöglichen, gebe es die – allerdings weniger erwünschte – Variante, das Projekt zu strecken, in Abschnitten zu bauen. Denn Strecken mache es teurer, verlängere die Interimssituation und die Mietkosten für Ausweichquartiere.

Ob die Bürgerschaft das Projekt Generalsanierung des Theaters mittrage? Thomas Weitzel sah hierin eine Frage zuvorderst an den Stadtrat. Aber: man habe zuletzt 233.000 Besucher im Jahr gezählt. Schauspiel, Musiktheater, Ballett seien eine Form von Kultur, die sich nicht überlebt habe. Jetzt, 70 Jahre nach den letzten größeren Baumaßnahmen, sei eine Anstrengung erforderlich, damit das Theater weiterlebe. Das Haus spiele an 377 Abenden jährlich, vieles sei ausverkauft, es gebe ein Grundbedürfnis nach Theater.

Gerd Merkle verwies auf die Notwendigkeit eines konkreten Finanzierungskonzepts ohne Verteilungsneid. Die Bürger dürften nicht das Gefühl haben, aufgrund der Theatersanierung etwas anderes zu verlieren. Schulen, Straßen, Brücken, Breitensport, das und vieles mehr werde nicht ins Hintertreffen geraten. Weitzel ergänzte, dass die Sanierung auch nicht zu Lasten der freien Szene gehen werde. Mit den neuen Bühnen gewinne man vielmehr Spielfläche und   Dispositionsfläche auf den Bühnen.

Das Augsburger Stadttheater wurde nach dem Brand im Vorgängerbau an anderer Stelle 1876 bis 1877 von den Wiener Architekten Fellner und Helmer erbaut und 1937 bis 1939 von Paul Baumgarten erweitert und umgebaut. Bis auf die Außenmauern nahezu vollständig durch Kriegseinwirkungen zerstört, wurde das Stadttheater von 1952 bis1956 unter Leitung von Stadtbaurat Walther Schmidt vollständig im Stil der 50er Jahre wiederaufgebaut. Der weitgehend original erhaltene Bestand aus der Zeit des Wiederaufbaus ist als Einzeldenkmal in der Denkmalliste eingetragen.

Das Stadttheater Augsburg ist als Drei-Sparten-Haus ausgelegt und fasst ca. 1200 Zuschauer. Die Stadt Augsburg beabsichtigt die Generalinstandsetzung des Großen Hauses mit Erneuerung der gesamten technischen Infrastruktur und Teilen der Bühnentechnik unter Erhalt und besonderer Berücksichtigung des denkmalgeschützten Bestandes in Außenwirkung und Ausstattung. Die Außenfassaden und Dächer wurden bereits von 2004 bis 2012 umfangreich saniert. Ein Brandschutzkonzept für das Große Haus liegt vor.

Ziel ist eine langfristig wirksame technische, funktionale und gestalterische Optimierung und Fortentwicklung des Stadttheaters Augsburg für die Anforderungen eines modernen Theaterbetriebs, in enger Verzahnung mit der Neukonzeption des Gesamtareals. Zu diesem Areal zählen neben dem großen Haus ein Orchester- und ein Ballettprobenraum, Werkstätten, Personalräume, Verwaltungsgebäude, ein Multifunktionssaal mit 400 Plätzen oder ein Restaurant.

Michael Siegel

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