Exkursion zur Bayerischen Landesausstellung „Napoleon und Bayern“ ins neue Schloss nach Ingolstadt

Bayerns Geburtshelfer

04. 08. 2015

Auf die Spuren Kaiser Napoleons begab sich eine Gruppe des Augsburger Presseclubs. Ziel der Exkursion war das Armeemuseum im neuen Schloss in Ingolstadt. Dort läuft seit April und noch bis Ende Oktober die Bayerische Landesausstellung „Napoleon und Bayern“.

Anhand von rund 400 Leihgaben aus Museen, Sammlungen und aus Privatbesitz aus Deutschland, Frankreich, Österreich oder Russland lässt sich diese für die Bayerische Landesgeschichte wichtige Zeitspanne zwischen 1805 und 1815 nachvollziehen. Natascha Zödi-Schmidt, Pressesprecherin des veranstaltenden Hauses der Bayerischen Geschichte und vor allem Dr. Stefanie Buchhold, eine der Kuratorinnen der Ausstellung, führten die Gäste aus Augsburg durch die Schau. Diese erstreckt sich auf 1400 Quadratmetern über das gesamte erste und das zweite Obergeschoss des Schlosses, das sonst das Bayerische Armeemuseum beherbergt.

Wer – wie die Augsburger Besucher – seinen Rundgang oben im Schloss beginnt, erfährt zunächst einiges über den Beginn der Beziehung zwischen Napoleon und den bayerischen Regenten. Veranschaulicht ist der Einzug Napoleons 1805 in der Residenzstadt München beispielgebend im gleichnamigen Bild des Malers Nicolas-Antoine Taunay. Nicht fehlen darf daneben ein Krönungsbild von Kaiser Napoleon, im Falle der Ingolstädter Ausstellung jenes des Malers Francois Gerard, das unter großen Mühen vom schwedischen Königspalast entliehen werden konnte.

Zeitgenössische Ölbilder sind nur eine von vielen verschiedenen Kunst- und Darstellungsformen, medialen Inszenierungen und Mitmachelementen, derer sich die Landesausstellung bedient. Dazu zählen Gegenstände, die aus dem Leben der Zeit von vor 200 Jahren stammen, so wie Waffen, Reit- und Reiseausrüstung, Kleidungsstücke und anderes mehr. Und so manches, was man in des Wortes wahrstem Sinne begreifen kann, das darf in dieser Schau – nicht nur von Kindern – angefasst, ausprobiert und so besser kennengelernt werden. Das gilt für eine mannshohe und mächtig schwere Schuss- und Stichwaffe ebenso wie für einen originalgetreu nachgefertigten Soldaten-Rucksack der damaligen Zeit (mit Originalgewicht!) oder auch für einen Filzmantel, wie ihn Soldaten damals trugen. Keine Frage, dass die Augsburger die Gelegenheit zur Probe nutzten.

Mindestens so wichtig wie die Vermittlung von Spaß und Unterhaltung war es Dr. Buchhold, den Augsburger Gästen die Konzeption der Landesschau und damit die Entwicklung im Verhältnis von Napoleon und Bayern nahezubringen. Allein schon körperlich in der Form, dass, je weiter man voranschreitet und je weiter man sich im Schloss nach unten bewegt, die Erfolgsgeschichte Napoleons dunkle Flecken bekommt. Von der ersten militärischen Niederlage des Franzosenkaisers (beim österreichischen Aspern) ist ebenso die Rede wie vom Leid der Zivilbevölkerung und der Soldaten. Symptomatisch hierfür eine kleine Schere. Mit diesem Werkzeug, so die Historikerin, wurden Menschen auf dem Russlandfeldzug erfrorene Gliedmaßen abgeschnitten. In Form einer handschriftlichen Schilderung liegt eine solche Amputationsdokumentation aus der Feder des späteren Generalmajors Leonhard Freiherr von Hohenhausen-Hochhaus vor, der übrigens die Augsburger Ehrenbürgerwürde trägt. Die Schau beschönigt nicht, dass die Krone für das Königreich Bayern die Menschen viel Blut, viel Not kostete.

In dem Maße, in dem es mit dem Feldherrn Napoleon bergab geht – bis zu seiner entscheidenden Niederlage in der Schlacht bei Waterloo – nimmt der Glanz Bayerns ab. Das Bündnis mit Napoleon wird gewechselt und Bayern stand nun wieder an der Seite von Österreich. Wer der bayerischen Epoche mit Napoleon bis heute die Treue bewahrt – auch das zeigt die Ausstellung – sind zahlreiche bayerische Veteranenvereine, die sich unter anderem zur Absicherung der in den Kämpfen Verwundeten gegründet hatten.

In den knapp 20 Jahren von 1799 bis 1818 vollzieht Bayern den Schritt in die Moderne, sagen die Ausstellungsmacher und Napoleon wirkt dabei gleichsam als Geburtshelfer für die bayerische Politik. 1818 – als der militärisch geschlagene Napoleon bereits in der Verbannung auf St. Helena sitzt - gibt sich Bayern eine Verfassung. Prägend sind die Trennung von Staat und Dynastie, das einheitliche Staatsgebiet, die Bildung einer Nation, die Gleichstellung aller Bewohner, die Errichtung einer effektiven, hierarchisch organisierten Verwaltung, geführt von gut ausgebildeten Staatsbeamten.

Einhellige Meinung der Augsburger Besucher am Schluss: ein lohnenswerter Besuch. Die Ausstellung schafft es, viele hier und da vorhandene Geschichtskennnisse zu sortieren und zu ordnen, sodass einem vieles aus jener für Bayern so wichtigen Zeit nachher klarer ist.

Michael Siegel

 

Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren